Wann erreichen iBeacons den Tipping Point?

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Immer wieder liest man, iBeacon sei eine Art Indoor-Navigationssystem. Das ist natürlich falsch, denn dies ist ja lediglich einer von vielen Anwendungsfällen, die mit der neuen Technik möglich werden. Aber es ist natürlich richtig, dass iBeacons vor allem allem dort eine tolle Möglichkeit bieten, mit Verbrauchern zu kommunizieren, wo kein GPS-Signal hinkommt  – eben meist innerhalb von Gebäuden wie etwa in Flughäfen, Einkaufszentren oder Messen. Kurz, überall wo die direkte Verbindung zwischen App-Nutzer und Satellit durch Beton unterbrochen wird.

Außerdem benötigt die iBeacon-Technologie weniger Strom als GPS und ist kompatibel zu  iOS 7 und Android-Geräten.

Besonders für den Handel eröffnen iBeacons eine Fülle neuer Möglichkeiten. Auf der Euroshop in Düsseldorf hatte ich viele interessante Gespräche dazu führen können. Die einfachste Anwendung ist, einen Coupon auf das Handy zu schicken, wenn sich der Kunde in der Nähe der Ware befindet. Aber auch das ist wiederum nur eine einzige der tausend Möglichkeiten.

Wenn das Thema iBeacons wirklich fliegen soll, dann sollten wir weiter denken, denn die Killer-Apps von morgen werden mit den iBeacons mehr anzufangen wissen, als nur Rabattscheine zu versenden. Wer wirklich vorn dabei sein will, der muss die iBeacon-Technologie als eine Form begreifen, wirklich neue mobile Kundenerlebnisse zu ermöglichen.

Auch wenn das Interesse an iBeacons derzeit gewaltig ist befinden sich die meisten Projekte doch immer noch im Pilot-Stadium und es liegen nur wenige Erfahrungen aus Praxisprojekten vor.

Es ist unstrittig, dass Apples iBeacon-Initiative schon jetzt einen unglaublichen Schub für das Thema Bluetooth Low Energy und Smart Devices gebracht hat. Aber bedeutet das schon einen Durchbruch für das Internet der Dinge? Heisst das schon, dass iBeacons ein Erfolg sind?

Ich frage mich – wann erreichen iBeacons eigentlich den Tipping Point?

Der Begriff Tipping Point bedeutet übrigens auf deutsch soviel wie „Umkipp-Punkt“ und bezeichnet daher den Moment, an dem eine vorher geradlinige und eindeutige Entwicklung durch bestimmte Rückkopplungen abrupt abbricht, die Richtung wechselt oder stark beschleunigt wird. Der Tipping Point ist also der Punkt, an dem sich entscheidet, ob aus einer Sache etwas wird oder nicht. Er ist der qualitative Umschlagspunkt.

Die Geschwindigkeit, mit der das Thema von einem reinen Startup-Thema auch die Etablierten erfasst, ist atemberaubend. Gettings (E-Plus), Barcoo und Paypal arbeiten an entsprechenden Anwendungen.

Mein Eindruck dennoch, dass wir uns momentan noch im Babystadium befinden. Alle freuen sich über das gesunde Kind und wollen mit ihm, aber morgen schon wird es Ärger geben und nicht immer so einfach werden.

Es kommt mir vor wie 1995, alle alle Welt unbedingt HTML lernen wollte. Damals galt das als Schlüsselqualifikation, um bei der Zukunftstechnologie Internet mit dabei zu sein. Ich erinnere mich noch, wie ich in der Kölner VUB Universitätsbuchhandlung nach einem HTML-Buch gefragt habe und ich nur eines auf englisch bekam. Von da an ging es Schlag auf Schlag.

Denken wir also weiter und kümmern uns um die echten Use Cases. So sind zum Beispiel auch Zahlungen für Produkte am Point-of-Sale mit iBeacons realisierbar. 

Erst wenn echte, tragfähige Geschäftsmodelle auf Basis von iBeacons etabliert sind, wird das Thema wirklich abheben.

 

Eines steht für mich allerdings jetzt schon fest – mit den iBeacons werden wir nicht nur ein Voranschreiten des Internets der Dinge, sondern auch den Aufstieg des Kontext-Webs erleben. Dazu gehören auch Devices wie Google Glass.  Google Glass ist nicht das gleiche wie iBeacon, aber stellt auch eine Möglichkeit für Verbraucher dar, Informationen von iBeacons zu erhalten und Aktionen durchzuführen. 

Das tolle an der jetzigen Situation ist, dass wir eine Reihe leistungsfähiger Echtzeit-Marketing- Tools haben, die die kreativen Leute noch wirklich herausfordern wird. Es besteht jetzt die Chance gerade für stationäre Geschäftsmodelle, ihre Kundenkommunikation aufzupeppen ohne gleich mit Amazon in Wettbewerb treten zu müssen. 

Bildnachweis: tosini / photocase.com

Thomas Vehmeier ist Diplom-Volkswirt, Internet-Macher und Online-Publizist. Online bereits seit 1993, berät er heute Konzerne und mittelständische Unternehmen bei ihrer Internet-Strategie und unterstützt im Interim-Management – zuletzt im ThinkTank des Telekom-CEO, zuvor vor allem für Franchise-Zentralen und Handelsunternehmen.

One Comment;

  1. Mobilemarketingwelt said:

    Ich habe in der letzten Zeit auf Konferenzen viel über das Thema iBeacons diskutiert. Viele Unternehmen sehen in der neue Technik dne Durchbruch für den Handel. Aber was auch deutlich wurde ist, dass bislang irgendwie Kundenseitig noch niemand so richtig iBeacons genutzt hat. Wir dürfen auf jedenfall gespannt sein wie das Thema weiter geht!

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